Dr. Johannes Winkelmann
Tiergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen



Sowohl in der Kaninchenzucht als auch bei den Kaninchenfleischerzeugern führt die Durchfallerkrankung, die als „Enterocolitis" bezeichnet wird, weiterhin zu erheblichen Verlusten bei den Kaninchen. Auf Initiative der Zuchtverbände fand am 01.12.04 im Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft ein Fachgespräch „Enterocolitis beim Kaninchen'' statt. Herr Dr. Schneider vom Bundesministerium hatte zu diesen Thema Experten der beiden Bundesverbände BVK und ZDRK, der Futtermittelindustrie, Pharmaindustrie, Veterinärmedizinischen Fakultäten WRSA-Gruppe Deutschland und tierärztliche Spezialisten aus Praxis und Untersuchungseinrichtungen eingeladen. Die Problematik der Erkrankung wurde dargestellt und die unterschiedlichen Meinungen zur Ursache bzw. zu den Ursachen dargelegt. Es konnte festgestellt werden, dass noch erheblicher Forschungsbedarf besteht, um die Ursache(n) der Erkrankung herauszufinden.


4 mögliche Lösungsansätze zur Enterocolitisproblematik wurden diskutiert.


1.) Impfstoffforschung, 2.) Einsatz von Futtermittelzusatzstoffen oder Diätfuttermitteln, 3.) Datenerhebung zur weiteren Klärung der Verbreitung und Bedeutung der Erkrankung, 4.) Verbesserung der Hygiene in der Kaninchenhaltung.Einige dieser möglichen Lösungsansätze können kurzfristig (stallspezifische Impfstoffe) andere mittelfristig (Diätfuttermitte, Futterzusatzstoffe, Datenerhebung zur .Enterocolitis") und wieder andere erst langfristig (Impfstoffentwicklung, Forschung) umgesetzt werden. Infolge dieses ersten Fachgespräches haben sich verschiedene Aktivitäten im Jahr 2005 entwickelt.

1) Futtermittel:
Die Untersuchungen und Ergebnisse mit einem Futtermittel-Zusatzstoff sind m der Kaninchenzeitung 23/2005 dargestellt
2) Impfstoffforschung und -einsatz:
In Zusammenarbeit mit ZDRK und der FU-Berlin wird an der Entwicklung eines Impfstoffes gearbeitet; weiterhin werden stallspezifische Impfstoffe hergestellt.
3) Datenerhebung:
In Vorbereitung ist ein Fragebogen für die Mitglieder des ZDRK und BVK. um weitere Informationen zur Verbreitung und Ursachen der Erkrankung zu erfassen.

4) Untersuchung:

Ein Einsendeformular, welches Kaninchenhalter nutzen sollen, wenn gestorbene Tiere untersucht werden sollen, wird über ZDRK und BVK an die Mitglieder weitergegeben.


Des weiteren hat sich ein Arbeitskreis „Enterocolitis" auf initiative eines Impfstoffwerkes, des ZDRK und BVK, der Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfalen, der Universität Leipzig und des Landesuntersuchungsamtes Thüringen gebildet. Die Arbeitsgruppe hat sich am 17. Febr. 2005 und am 06, Sept. 2005 beim Tiergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer NRW in Bonn getroffen. Bei diesen Treffen an denen jeweils die Mitinitiatoren dieses Fachgespräches teilnahmen, fand immer ein Erfahrungsaustausch zur ..Enterocolitss' aus den verschiedenen Sichtweisen der Teilnehmer statt. Gleichzeitig wurden Versuchsideen besprochen und Versuche konzipiert und nach weiteren Lösungsansätzen gesucht. So wurde mit der Uni Leipzig ein Versuch mit effektiven Mikroorganismen konzipiert und durchgeführt, der aber leider aufgrund von Problemen ?m Kaninchenbestand statistisch nicht ausgewertet werden konnte. Trotzdem konnten Hinwese zu den beteiligten Erregern aufgezeigt werden.

Weiterhin sind Versuche mit einem Zusatzstoff der Fa. Biolog, in der intensiven Kaninchenhaltung geplant, die eine Ergänzung zu den Ergebnissen darstellen sollen, die in der Kaninchenzeitung 23/2005 vorgestellt wurden (s.o.). Die Ergebnisse von pathologisch-anatomischen Untersuchungen (Sektionen) von Kaninchen in 2 Untersuchungseinrichtungen wurden dargestellt und diskutiert. Aus dieser Arbeitsgruppe heraus entwickelte sich das „Einsendeformular" für Kaninchenhalter und der Fragebogen zur Datenerhebung „Enterocolitis", die jeweils den Verbänden zur Weiterleitung an die Mitglieder zur Verfügung gestellt werden sollen. Leider stehen in der BRD nach wie vor keine größeren finanziellen Mittel für Forschungseinrichtungen zur Verfügung, Dankenswerterweise hat der ZDRK für „Enterocolitisforschung" Mitte! zur Verfügung gestellt, mit dem das Projekt zur Impfstoffentwicklung an der FU-Berlin finanziert werden kann. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt erfolgreich abgeschlossen wird.


Die Arbeitsgruppe „Enterocolitis" wird sich bei Bedarf wieder treffen, um neue Entwicklungen und Ergebnisse zu diskutieren und nach Lösungsansätzen zum Thema „•Enterocolitis" in der Kaninchenhaltung zu suchen.
Darüber hinaus existiert ein europäisches sog. COST-Projekt mit deutscher Beteiligung, welches sich ebenfalls mit der „Enterocolitis" befasst. Hier treffen sich Wissenschaftler aus mehreren europäischen Ländern regelmäßig, um Erfahrungen und Informationen auszutauschen. Dieser Austausch wird mit Mitteln der EU finanziert. Insbesondere die Länder mit intensiver Kaninchenhaltung wie z.B. Frankreich, Spanien und Italien stellen bei diesen Treffen ihre neuen Erkenntnisse zu Kaninchenerkrankungen vor. Da auch die BRD beteiligt ist, erhalten wir die neuesten Informationen. Leider ist dieses Projekt zeitlich bis 2005 (2006) begrenzt und es ist nicht absehbar, dass eine Verlängerung möglich wird. Die Initiative liegt also bei den verantwortlichen Arbeitsgruppen in der BRD, sich weiterhin mit dem Thema „Enterocolitis der Kaninchen" zu befassen.
 

Dr. Johannes Winkelmann

Tiergesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Untersuchungsauftrag Kaninchen-Enterocolitis

Anschriftenliste der Untersuchungsstellen

Copyright © 2006 Inhalt - Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter e.V. (ZDRK)
Copyright Design - Seitenerstellung und Programmierung:
 www.vantommes.de
Vorschläge und Anregungen an:  Ulrich.Hinrichsmeyer@t-online.de