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Als der kleine Flitzer, der mit Hilfe der
Phönizier und der alten Römer keinem geringeren Land als Spanien
seinen Namen gab, von der iberischen Halbinsel in die Welt auszog
und dabei auch zu uns kam, begann die beispiellose Haustier-
Karriere des Wildkaninchens - nicht zu verwechseln, mit seinem
weitläufigen Vetter, dem Feldhasen. Vornehmlich französische
Mönche waren es, die den kulleräugigen, anpassungsfähigen kleinen
Naturburschen in ihren Klostergärten domestizieren und somit zum
Haustier machten. Durch Mutationen (natürliche, sprunghafte
Veränderungen des Erbgutes) insbesondere in Fellfarbe, Größe und der
Körperform, entstanden zahlreiche Rassen. Unter menschlicher Obhut
konnten diese Tiere, im Gegensatz zur freien Wildbahn, nicht nur
überleben, sondern sich auch vermehren. Seit Beginn seiner Umzüchtung zum Haustier, etwa
300v.Chr., war das Kaninchen ein beliebtes Objekt der Kunst,
Wissenschaft und Forschung. Wussten Sie z.B., dass sich Konfuzius,
Rembrandt, Darwin und Mendel mit Kaninchen beschäftigten haben?
In neuster Zeit hat sich insbesondere Dr. Heinrich Niehaus (+1985)
intensiv mit Kaninchen wissenschaftlich beschäftigt. Nachstehend
zwei Auszüge aus einem 1986, im Verlag Oertel + Spörer, Reutlingen,
erschienenen Buch "Unsere Kaninchenrassen":
"Die Hauptgründe für die von Jahr zu Jahr
ansteigenden Zahl der Rassekaninchenzüchter und Halter von Kaninchen
als Heimtiere sind jedoch ideeller Natur: So bietet die Haltung von
Kaninchen die Möglichkeit einer sinnvollen, interessanten und
schöpferischen Freizeitgestaltung. Sie gewinnt mit zunehmendem
Stress im Beruf, der monotonen Fließbandarbeit, verkürzter
Arbeitszeit bei Berufstätigen, besonders für Arbeitslose,
Behinderte, Rentner und Pensionäre immer noch mehr an Bedeutung. Der
enge Kontakt mit den Tieren fördert die Liebe zur lebenden Kreatur
und damit auch zum Mitmenschen. Der Züchter nimmt unmittelbar an den
biologischen Vorgängern bei der Fortpflanzung, Vererbung,
Entwicklung, Ernährung, Krankheiten und den Verhaltensweisen der
Tiere teil.
Die Veranstaltungen der Kaninchenzüchtervereine
bieten ebenfalls Gelegenheit, andere gleich gesinnte Menschen kennen
zulernen, in fröhlicher Runde Sorgen zu vergessen, Erfahrungen
auszutauschen und durch gute Fachvorträge die Kenntnisse zu
erweitern. Zu den Veranstaltungen der Kaninchenzüchtervereine
gehören als Höhepunkte auch die Kaninchen-Ausstellungen auf Orts-,
Kreis-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene. Sie bieten dem Züchter
Gelegenheit, seine Tiere durch geschulte Preisrichter bewerten zu
lassen., Vergleiche mit den Tieren anderer Züchter anzustellen,
Tiere kaufen oder zu verkaufen und an den gesellschaftlichen
Veranstaltungen teilzunehmen.
Freizeitgestaltung mit dem Kaninchen, als anerkanntes
landwirtschaftliches Nutztier, ohne Gewinnausrichtung, mit hohem
Freizeitwert und gesellschaftlicher Verantwortung. Noch während und nach den letzten Weltkriegen war
das Kaninchen durch seine vorzüglichen Eigenschaften in der Tat
Helfer in höchsten Notzeiten. In kürzester Zeit erzeugte der Mensch
aus nicht verwertbaren Futtermitteln hochwertiges Fleisch. Für
unterversorgte Entwicklungsländer hat das Kaninchen heute noch eine
nicht unerhebliche Bedeutung. Es wird verstärkt als "Nahrungsmittel"
in Ländern der Dritten Welt eingesetzt. Unbestreitbar sind auch
seine großen Verdienste für die Wissenschaft bei der Erforschung
etlicher menschlicher Krankheiten.
Stand früher überwiegend die Erzeugung von eiweißreichem
Weißfleisch, für die Ernährung der Familien im Vordergrund, so ist
seit etwa 1960 auch eine Verstärkung der sozialen Komponente
feststellbar. Rassekaninchenzucht heute ist aktive
Freizeitgestaltung mit dem Kaninchen, als anerkanntes
landwirtschaftliches Nutztier, ohne Gewinnausrichtung und trägt dazu
bei, auch durch den Erhalt von Genreserven, die Vielfalt unserer
Natur und Umwelt zu erhalten
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